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Was tun für bezahlbaren Wohnraum? - Mut zum Perspektivwechsel!

Was tun für bezahlbaren Wohnraum? - Mut zum Perspektivwechsel!

Sonntag, 24. März 2019
Matinée mit Chris Kühn

Für die etwa 30 Gäste im Bauernhofcafé „Im Höfle“ war es sicherlich ein interessanter und abwechslungsreicher Sonntagvormittag. Im Gespräch mit dem Grünen Bundestagsabgeordneten Chris Kühn ging Vera Ambros, Architektin und Energieberaterin und Mitglied des Gemeinderats der Frage nach, wie Bundespolitik und Kommunalpolitik darauf Einfluss nehmen können, dass mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Paul Jud, Gründungsmitglied der Härtenliste, moderierte das Gespräch und gab den Anwesenden ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen.
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„Sollen wir mit einem sozialen oder einem kulturellen Stück beginnen?“ fragte Birgit Wanner-Stoll, Bassistin des mittlerweile weit über die Härten hinaus bekannten Bluegrass-Duos „Horse Mountain“, nachdem der Vorstandsvorsitzende Paul Starrach den kommunalpolitischen Verein „Härtenliste, Umweltschutz und Demokratie e.V.“ als „auch sozial und kulturell aktiv“ beschrieben hatte. Gemeinsam mit Dieter Stoll an der Gitarre sorgten sie mit einem Mix aus Bluegrass und Countrymusik für Wohlfühlstimmung und ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre.

Chris Kühn ist Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Grünen Bundestagsfraktion. Er wohnte bereits als Student in Kusterdingen und hat sich jetzt auch mit Familie wieder für die Härten als familiäres Lebensumfeld entschieden. Er kennt also auch unsere örtlichen Gegebenheiten sehr gut.

16 der 30 teuersten Städte Deutschlands liegen in Baden-Württemberg. Jährlich werden nur etwa 0,4 bis 0,6 Prozent neue Wohnungen gebaut. Für Chris Kühn ist die logische Konsequenz daraus, dass der Schwerpunkt der Maßnahmen darauf ausgerichtet sein muss, mehr geeigneten und günstigen Wohnraum in den bereits vorhandenen Häusern und Wohnungen zu schaffen.
Davon ist auch Vera Ambros überzeugt. Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel. Die klassische Mehrgenerationenfamilie existiere so gut wie nicht mehr, dafür wachse die Zahl der Singlehaushalte. Der Wohnraumbedarf sei von etwa 35 Quadratmetern pro Person in den 1990er Jahren auf etwa 47 Quadratmetern heute gestiegen. Allein dadurch relativierten sich strengere Energiesparvorschriften, die im Kern ja durchaus zur Kostensenkung beitragen könnten. Ambros ist entschiedene Verfechterin einer modularen Bauweise. Häuser und Wohnungen sollten so geplant werden, dass sie sich flexibel den jeweiligen Anforderungen der Bewohner anpassen können: ausreichend große Wohnungen solange viele Personen in der familiären Gemeinschaft leben, abtrennbare Bereiche, wenn erwachsene Kinder eigenen Wohnraum beanspruchen oder alte oder pflegebedürftige Familienmitglieder zu versorgen sind. Oder eben auch wenn die klassische Untervermietung infrage kommt.

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Chris Kühn verwies in diesem Zusammenhang auf die Klimaschutzziele der Bundesrepublik. Diese könnten nur erreicht werden, wenn nennenswert energiereduzierende Maßnahmen für die bestehenden Gebäude gefordert und umgesetzt werden. Mit jedem Haus, das heute nach eher „mäßigen“ Energieverbrauchstandards gebaut werde, würde das Erreichen der Klimaschutzziele in eine ferne Zukunft verschleppt. Er sein froh, dass junge Menschen heute auf die Straße gingen, die sich Sorgen um das Weltklima und ihre ganz persönliche Zukunft machten. Kühn argumentierte gegen staatliche Fördermaßnahmen wie das Baukindergeld, das auch ihm, als (gutbezahltem) Bundestagsabgeordneten, zugutekäme. Besser seien Fördermaßnahmen, die, neben der Einsparung von Energie, zum Beispiel auch die Verwendung nachwachsender und recycelbarer Baustoffe förderten.
Welche Konsequenzen können, ja müssen die angesprochenen Aspekte geradezu für die Härten haben? Hier waren sich Kühn und Ambros einig: Dörfer brauchen ein „Gesicht“. Wohnraummodelle wie das Französische Viertel in Tübingen könnten nicht eins zu eins aufs Land übertragen werden. Es gälte also, schöne, erhaltenswerte und dorfbildprägende Gebäude nach Möglichkeit zu erhalten und so umzubauen, dass sie heutigen Wohnerwartungen entsprechen. Bei Neubauten sei verdichtetes Bauen durchaus möglich, wenn mehrere Hausgemeinschaften Gartenflächen gemeinsam nutzten. Und warum nicht eine „Gästewohnung“ vorhalten, die sich Nachbarfamilien teilen, wenn mal Besuch kommt?Die anwesenden Härtenlistenmitglieder der Ortschaftsräte und des Gemeinderates waren sich einig: Auf die alten und „Neuen“ werden in der kommenden Legislaturperiode genügend bau- und wohnungspolitische Herausforderungen zukommen.ChrisK_02.JPG